#Stories

© Craft

18. November

Radpflege

Wie Drahtesel überwintern


Sommer, Herbst, erster Schnee. Schluss, aus und vorbei mit der Fahrradfahrzeit. Wer nicht das Bedürfnis hat in dicker Wetterschutzkleidung auf dem Fahrrad durch Schnee und Matsch zu treten, sollte sein Fahrrad winterfest machen. Einen gepflegten Saisonabschluss hat dein Radl sicher verdient! Was man dem Fahrrad vor den alleingelassenen Monaten im Keller so alles Gutes tun kann, das erfährst du hier.

Sau(b)erei
Unter „E“ wie „Einmotten“ findet man im Duden folgende Eintragung: „Mit einem Mittel zum Schutz gegen Motten zusammen (eingepackt) irgendwo für längere Zeit unterbringen“. Nun sind Fahrräder zumeist aus Metall und/oder Kunststoff und stehen daher nicht auf dem Speiseplan von Motten. Der Begriff Einmotten für die vorwinterliche Pflege des Fahrrads, bevor es bis März oder April im Keller verschwindet, ist somit nicht ganz zutreffend. Richtig dagegen ist: Fahrradpflege ist notwendig, vor allem wenn das Gefährt die nächsten Monate nicht bewegt wird, denn: Dass Dreck schützt, trifft beim Zweirad genauso wenig zu wie beim Auto...

Grober Dreck, grobe Reinigung
Je nach Verschmutzungsgrad, hervorgerufen entweder durch lange Wäscheintervalle oder intensive Benutzung, lohnt auch beim Fahrrad eine Vorwäsche. Per Gartenschlauch, einem Eimer Wasser plus weicher Bürste oder einem Schwamm schwemmt man den gröbsten Dreck vom Fahrrad. Hilfreich hierbei: ein Montageständer, der auch das Unterrohr und das Tretlagergehäuse zugänglich macht. Ein Umdrehen des Fahrrads mit den Rädern gen Himmel funktioniert natürlich genauso. Wer auf die Idee kommen sollte, Spülmittel in den Eimer Wasser zu geben, dem sei gesagt: Bitte unbedingt auf biologisch abbaubare Substanzen achten oder man steht auf dem Autowaschplatz mit entsprechender Reinigung der Abwässer durch Ölabscheider & Co. Von den dort verwendbaren Hochdruckreinigern und Dampfstrahlern ist im Übrigen eher abzuraten. Auch wenn die Lager des Fahrrads neueren Datums und vermutlich schon gedichtet sind, der hohe Druck aus der Düse lässt unter Umständen Wasser ins Lager eindringen oder presst Dreck in kleinen Zwischenräumen nur tiefer in den Spalt. Vor allem die Besitzer von Fahrrädern mit Federgabeln und Dämpfern für den Hinterbau, solchen mit absenkbaren Sattelstützen, und die mit selbst bemalten Radkunstwerken sollten sich daran halten. Ansonsten ist das Rad womöglich schnell beschädigt.

Lumpenrein
Für die Reinigung von Rahmen, Lenker, Sattel, etc. eignen sich am besten alte Lumpen. Möglichst weicher Stoff, schön saugfähig, ein Stück Baumwoll-Shirt zum Beispiel. Damit kommt man schön in die Ecken und Winkel, kann den Lumpen um Rahmen- oder Gabelrohre legen und eifrig wischen, trocknen und polieren. Allerdings sollte man den Lumpen auch immer wieder schön auswaschen, damit man nichts verkratzt. Doch die Reinigung ist lediglich der erste Schritt. Erst an der Zuwendung zu den beweglichen Teilen am Rad erkennt man den wahren Fahrradliebhaber.

Der bewegte Wahn
Der Einsatz von Zitronenreiniger zum Entfetten bringt die Zähne der Ritzel und Kettenblätter unter der Fett-Schmutz-Schicht zum Vorschein und zum Strahlen, denn der Antrieb will geschmiert, nicht verdreckt sein. Folglich lohnt sich der Einsatz von Spezialreiniger und Kettenreinigungsgerät durchaus – wenn man danach wieder nachfettet, damit nichts rostet. Penibel wird es erst, wenn mit Spezialwerkzeug die Kassette am Hinterrad demontiert und die Kassettenaufnahme gereinigt wird. Ähnliches lässt sich im vorderen Bereich des Kettenverlaufs bei den Kettenblättern machen: Je nach Kurbelstandard benötigt man ein spezielles Werkzeug (oder eben nicht) um den Zwischenraum zwischen Rahmen und Kurbel reinigen zu können. Auch nach der Winterpause empfiehlt sich übrigens der Einsatz von Felgen- oder Bremsenreiniger für die Bremsflächen am Rad, sprich Felgenbremsflächen und Bremsscheiben. Nur Achtung, dass durch Dreckfinger und Kettenschmiermittel kein Fett auf die Bremsscheibe oder Felgenseite gelangt. Wer es sich zutraut – Hexenwerk ist es keines – kann gleich auch Bremsbeläge wechseln und Brems- bzw. Schaltzüge austauschen. Dann gehen Schalt- und Bremsvorgänge wieder deutlich leichter von der Hand. Zu guter Letzt bekommen – falls vorhanden – die Federungselemente und die bewegliche Sattelstütze noch etwas Gabel-Deo für anhaltende Leichtgängigkeit. Dann kann das Rad blitzsauber in den Winterschlaf verfallen. Und wenn der erste warme Frühjahrstag erstrahlt, zieht man ein blitzblankes, gut gepflegtes Fahrrad aus dem Keller, das wie geschmiert in die neue Saison läuft.

Zum Schluss: Expertentipps von Peter Brodschelm
Bike-Guide und Gründer von www.fahrtwind.de, Peter Brodschelm, verrät weitere Tipps, um das Radl winterfest zu machen: "Bikes sind für mich Lebensgefühl und stehen für Freiheit, Natur und Fahrspaß - aber auch für ein Arbeitsgerät - und das muss funktionieren! Daher bekommt mein Bike für den Winter den ultimativen Wellness-Check: neben der üblichen Komplettwäsche gibt’s einen Gabel- und Dämpfer Service, bei dem die Öle gewechselt und die Dichtungen erneuert werden. Zudem werden am Bike alle Verschleißteile erneuert – also neue Bremsscheiben und Beläge, Kette und manchmal auch die Ritzel. Optisch soll es ebenfalls was hermachen und daher gönn´ ich mir - wenn nötig - neue Griffe und einen neuen Sattel. Die Reifen sprüh ich kurz mit Silikonspray ein. Schaut gut aus und erhält die Geschmeidigkeit der Karkasse. So kann das geliebte Fahrrad dann problemlos ein paar Wochen oder Monate in der Garage stehen, denn: Mit einem top gepflegten Bike ist die Vorfreude auf das Frühjahr umso größer."

Für die Hartgesottenen unter euch, die bei jedem Wetter im Sattel sitzen, gibt es hier die richtige Ausrüstung:

Das könnte dich auch interessieren:
Bekleidungs-Tipps für Roadbike-Anfänger
Hardware-Tipps für Roadbike-Anfänger
Funktionsunterwäsche – Das Richtige für drunter
Die richtige Rennrad-Bekleidung
Bikepark-Lexikon – Was Anfänger wissen müssen