#Stories

05. November

Merino

Merinowolle – Woher kommt die Natur-Funktionsfaser und was steckt dahinter?


Funktionsunterwäsche aus Merinowolle ist heute bei vielen Sportlern ein absolutes Must-have im Kleiderschrank. Im Gegensatz zu vielen anderen Wollarten kratzt Merinowolle kaum, sie ist geruchsneutral, kühlt wenn es warm ist und wärmt, wenn es kalt ist. Die Fasern der Merinowolle sind etwa nur ein Viertel so dick wie ein menschliches Haar und zudem auch sehr elastisch. Was steckt hinter der Merinowolle, woher kommt sie und wie wird sie hergestellt? Ist Merinowolle tatsächlich ein solches Wunder der Funktion? Wo hat sie ihre Grenzen? Hier erfahrt ihr mehr.
Textilien aus Merinowolle sind aufgrund ihrer zahlreichen Vorteile sehr beliebt. Geht man beispielsweise mehrere Tage zum Wandern in die Berge, steht man vor der Frage was man an Klamotten einpackt – Denn der Platz im Rucksack ist begrenzt. Ein Baselayer aus Merino wäre ideal. Die extrem feinen Härchen haben eine hervorragende Wärmeleistung und sie neutralisieren (im Gegensatz zu Synthetik) unangenehmen Geruch. Grund dafür ist das in der Faseroberfläche enthaltene Wollfett Lanolin. Dieses wirkt wie eine Schutzschicht. Gerüche und Dreck bleiben an der Oberfläche hängen und gelangen so nicht ins Innere der Faser. So sind Merinofasern auf natürliche Weise antibakteriell und die Merino-Bekleidung bleibt lange frisch und beginnt erst spät zu müffeln. Das spart wiederum indirekt Gewicht und Platz im Rucksack.

Ist Merino geeignet für intensiven Sport?
Für den Einsatz bei intensiven und wettkampfähnlichen Sporteinheiten ist Merino allerdings nicht optimal. Die Natur-Faser spielt seine Pros vor allem bei leichter bis moderater Belastung aus. Das liegt an einem entscheidenden Nachteil der Wolle: Während die Außenschicht der Faser hydrophob (wasserabstoßend) wirkt, ist die Faser selbst jedoch hygroskopisch (feuchtigkeitsbindend). Das heißt, dass sich Merinowolle bei intensiver sportlicher Aktivität schnell vollsaugt, da sie die viele Schwitzfeuchtigkeit nicht mehr effektiv nach außen abtransportieren kann. Ist das erst mal passiert, liegt das Merino-Shirt schwer auf der Haut und benötigt lange um zu Trocknen – ähnlich wie ein Baumwollshirt. Steht man vor dem Kleiderschrank, gilt es sich also erst einmal zu hinterfragen ‚wie bin ich unterwegs?‘ – mit geringer oder hoher Intensität, und wo bzw. wann bin ich unterwegs?‘ – bei kalten, moderaten oder warmen Temperaturen. Nur wenn man sich diese beiden Fragen im Vorfeld stellt kann man die richtige Wäsche für die entsprechenden Anforderungen auswählen und von den Stärken der jeweiligen Faser profitieren.

Merinowolle wird von Merinoschafen gewonnen. Diese zählen zur Feinwoll-Schafrasse, deren Ursprung in Nordafrika liegt. Im Hochmittelalter kam das Merinoschaf nach Spanien, wo erstmals die guten Eigenschaften der Wolle entdeckt wurden. Europäische Siedler importierten die Tiere schließlich nach Australien und Neuseeland. Heute ist Australien mit 88% der größte Merinowolle-Produzent weltweit. Neben den Pazifik-Staaten wird Merinowolle auch in Südafrika und Argentinien produziert.



Merino-Zucht kann problematisch sein
Die Herstellung der feinen Wolle bringt einige Herausforderungen mit sich. Die Ursache hierfür liegt vor allem an der sehr hohen Nachfrage von Merinowolle. Um dieser zu entsprechen und möglichst viel Wolle zu generieren, werden

Merinoschafe speziell auf viele Hautfalten überzüchtet – Denn mehr Hautfalten bedeuten mehr Wolle. Doch was das für die Tiere mit sich bringt, wird in vielen Fällen nicht berücksichtigt. Genau diese Hautfalten bringen für die Hochlandschafe schmerzhafte Konsequenzen mit sich: Durch die dichtere Wolle schwitzen diese deutlich mehr. Diese Feuchtigkeit sammelt sich schließlich unter ihren Hautfalten an, was wiederum die weit verbreitete Schaf-Schmeißfliege (Lucilia cuprina) anzieht. Diese legt ihre Eier bei den Falten nahe des Afters ab. Die geschlüpften Fliegenmaden gelangen ins Innere des Merinos, was oftmals zu dessen Tod führt.

Um den Fliegenbefall zu verhindern, greifen viele Merino-Züchter zu einem brutalen Verfahren, dem Mulesing. Dabei schneiden Züchter jungen Lämmern mit einem scharfen Messer ein großes Stück Haut um den After ab. So bildet sich beim Tier nach einiger Zeit eine wolllose Narbenfläche. Doch bei dieser Behandlung entstehen große Wunden, die ebenso Ungeziefer anziehen, noch bevor die Verletzung geheilt ist. Dieses Vorgehen ist für die Merino-Tiere besonders schmerzhaft, denn es wird fast ausschließlich ohne Betäubung durchgeführt.

CARFT setzt ausschließlich auf Mulesing-freie Wolle
Als Konsument kann man aktiv dazu beitragen, die Überzüchtung der Tiere und die daraus resultierenden Konsequenzen zu verringern. Beim Kauf eines Merino-Artikels sollte man darauf achten, woher die Wolle kommt und speziell ob sie Mulesing-frei hergestellt wurde. Auch CRAFT legt bei der Herstellung seiner Merino-Produkte größten Wert darauf und verarbeitet ausschließlich Mulesing-freie Wolle.

Das könnte dich auch interessieren:
Funktionsunterwäsche – Das Richtige für Drunter
CRAFT Plogging-Challenge
Laufsocken – Kurz oder Kompression? Die Laufsocken-Frage
Laufmotivation – Motivationsspritze für Laufmuffel