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14. Dezember

Das Lagenprinzip

Winterfest in jeder Lage

Der Winter steht vor der Tür. Die Temperaturen sinken, die Jacken werden dicker, der innere Schweinehund wächst. So geht es vermutlich vielen Menschen, wenn sie in der kalten Jahreszeit an Sport denken. Viele verkriechen sich für ein paar Monate ins Fitness-Studio, doch ein paar Hartgesottene scheinen die Wetterbedingungen nie zu stören: Sie ziehen ihren Sport ganzjährig durch. Um richtig auf den Winter vorbereitet zu sein, schwören viele dabei auf das „Lagenprinzip“. Doch was ist das eigentlich? Und wie viele Lagen gehören dazu?

Schlauer schichten

Ziel der Sache ist, dass man sich als Sportler – oder einfach körperlich aktiver Mensch – bei der Aktivität wohler fühlt und damit auch leistungsfähiger ist. Das gesamte System soll den Sportler also bei Aktivität kühlen, ihn bei Kälte warmhalten und ihn bei Bedarf vor Wind, Regen oder Schnee schützen. Um dieses Ziel zu erreichen, setzt das Lagenprinzip (auch Zwiebelprinzip, Schichtenprinzip oder Layering Principle) auf Variabilität. Die Grundidee: Je nach Wind und Wetter bzw. nach Belastungsintensität, trägt man unterschiedliche Bekleidungslagen – oder lässt sie auch mal weg. Anstatt einer dick gefütterten Jacke, trägt man einen dünnen Wetterschutz außen und darunter nach Bedarf eine oder mehrere Wärmelagen. Oder eben auch keine. Die einzelnen Lagen „arbeiten“ dabei eng zusammen und sorgen so für Kühlung, Isolation und Wetterschutz.


Wichtig: Funktionsbekleidung muss als System betrachtet werden. Jedes einzelne Element dieses Systems hat seine ganz spezielle Aufgabe. Und wenn ein Glied in dieser Kette fehlt oder seiner Aufgabe nicht gerecht wird (z.B. Baumwoll-T-Shirt auf der Haut), können es die anderen auch nicht mehr. Die optimale Performance bekommt man, wenn alle Lagen von ein und derselben Marke stammen. Denn sowohl die Schnitte als auch die Materialauswahl sind dann optimal aufeinander abgestimmt. Die drei Glieder in dieser Kette sind die drei Bekleidungsschichten.



First Layer: Funktionsunterwäsche (auch Base Layer)
Die unterste Lage sorgt ganz wesentlich für das Feuchtigkeits- bzw. Temperatur-Management. Bei Belastung fängt der Körper an zu schwitzen. Verdunstet der Schweiß auf der Haut, wird er gekühlt. Würde man diese Feuchtigkeit restlos abtransportieren, gäbe es keinen kühlenden Effekt mehr. Wie ein Motor ohne Kühlwasser würde der Körper überhitzen!
Funktionswäsche soll deshalb während der Belastung weiterhin die Verdunstung auf der Haut ermöglichen. Ein dünner Schweißfilm auf der Haut muss sein! Überschüssigen Schweiß hingegen transportiert sie kontrolliert von der Hautoberfläche ab und leitet ihn an die äußeren Schichten weiter. Nach der Belastung soll die erste Lage jedoch so schnell abtrocknen, dass der Sportler nicht friert („Post Exercise Chill“). Man verarbeitet für Funktionswäsche schnell trocknende Materialien, die einen guten Feuchtigkeitstransport bieten und selbst nur wenig Feuchtigkeit aufnehmen. Baumwolle eignet sich nicht. Sie saugt selbst jede Menge Feuchtigkeit auf, kann sie nicht weitergeben, wird nass, schwer und trocknet nur langsam. Für Funktionsunterwäsche verwendet man Kunstfasern wie Polyester (PES), Polyamid (PA), Polypropylen (PP) oder auch klimaregulierende Naturfasern wie Merinowolle. Neben dem Material ist auch die Verarbeitungstechnik, also wie der Stoff konstruiert ist, von elementarer Bedeutung.


Second Layer: Isolationsschicht (auch Wärmeschicht oder Mid Layer)
Die zweite Lage dient der Isolation gegen Kälte und soll außerdem Schwitzfeuchtigkeit nach außen passieren lassen. Sie kann aus einer oder mehreren Lagen bestehen – oder du lässt sie an warmen Tagen komplett weg. Meistens setzt man für die zweite Lage Fleece ein. Und das aus gutem Grund: Fleece ist leicht, wärmt gut, trägt sich herrlich weich, ist pflegeleicht, trocknet schnell und – sofern qualitativ hochwertig – sehr langlebig. Aber auch leichte, körpernah geschnittene wattierte Jacken (gefüllt mit einem Synthetik-Material wie in einem Schlafsack) oder Softshell-Jacken bieten sich dafür an. Daune eignet sich nur bei großer Kälte, denn bei zu viel Schwitzfeuchtigkeit verklumpt sie und trocknet nur sehr langsam.


Third Layer: Außenschicht (auch Wetterschutz-Schicht oder Outer Shell)
Die äußerste Lage schützt vor Wind, Schnee oder Nässe und leitet gleichzeitig Schwitzfeuchtigkeit von innen nach außen weiter (Wasserdampfdurchlässigkeit). Je nach Anwendungsgebiet – Laufen, Biken, Skifahren, Snowboarden, Langlaufen, Wandern, Trekking, Bergsteigen usw. – und Wetterverhältnissen werden andere Materialien und Schnitte verwendet. Wichtig: Je mehr man sich anstrengt, desto wasserdampfdurchlässiger sollte die dritte Lage sein. Andernfalls steht man schnell im „eigenen Saft“. Regnet es nicht, muss die Außenschicht nicht unbedingt komplett wasserdicht sein. Dann reicht auch eine dünne Windjacke oder – z.B. auf dem Bike oder beim Langlaufen – ein dichtes Fleece, das nur auf der Vorderseite Windschutz bietet.


Insgesamt dürfen sich Sportler und Outdoorer über die hohe Funktionalität des Lagenprinzips freuen – egal für welche Aktivität und egal bei welchem Wetter. Damit macht das Draußensein noch mehr Spaß – auch im Winter!