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Marathon für Fortgeschrittene: 10 Marathons in 10 Tagen

Marina Andresen läuft für den guten Zweck und sammelt dabei Spenden für den Kampf gegen Morbus Crohn.

von Markus

31. Mai 2021 • 7 Min. Lesezeit

Marathon Läuferin läuft auf der Straße

Marina Andresen läuft 10 Marathons in 10 Tagen für einen guten Zweck

Marina im Interview

Marina Andresen, besser bekannt unter ihrem Instagram-Pseudonym @marathon.princess, hat sich ein ambitioniertes Ziel gesetzt: Sie möchte 10 Marathons in 10 Tagen laufen – von München nach Wiesbaden. Damit will sie auf die Krankheit Morbus Crohn aufmerksam machen und gleichzeitig Spenden für den Kampf dagegen sammeln.

Was erwartet sie in den 10 Tagen, was treibt sie an und vor allem - wieso nimmt sie die ganzen Strapazen auf sich.

Hallo Marina, 10 Marathons in 10 Tagen, das sind 421,95 Kilometer. Für die meisten Hobbyläuferinnen und –läufer ist die Vorbereitung auf einen „normalen“ Marathon schon eine echte Herausforderung! Wie sah Deine ganz persönliche Marathonvorbereitung bei so einer Mammutdistanz aus?

Die Vorbereitung für mich persönlich unterscheidet sich kaum vom „normalen“ Ultra-Training. Viele Kilometer, viel Grundlagenausdauer. Und natürlich darf auch der mentale Aspekt nicht zu kurz kommen – man muss einfach ein bisschen leiden können, wie ich immer sage.

Und wie lange hast Du Dich für das Projekt insgesamt vorbereitet?

Die Idee entstand im Februar. Trainiert bin ich durch die vielen virtuellen Läufe, an denen ich teilnehme, eigentlich immer. In dem Fall war der Hauptaufwand tatsächlich der ganze Papierkram – Partneransprache, Hotels finden, Sponsoren finden usw. Bisher habe ich insgesamt mit rund 400 Leuten gesprochen um alles ins Laufen zu bringen. Und das ohne selbst Gewinn mit diesem Projekt zu machen – Charity steht klar im Fokus.

Wie bereitet man sich auf 10 Marathons vor?

Und wie sah das Marathontraining an sich aus? Wie viel Kilometer bist Du pro Woche gelaufen und bestand die Vorbereitung rein aus Laufen oder hast Du auch spezielles Krafttraining eingebaut?

Neben den 10 Marathons in 10 Tagen steht für mich diesen Sommer auch noch ein Ironman an. Mein Training ist also generell sehr abwechslungsreich und neben dem Laufen schwimme ich regelmäßig, verbringe viel Zeit auf dem Fahrrad und mache HIIT, Bodyweight Training und Yoga. Insgesamt komme ich auf 10 bis 14 Einheiten pro Woche, davon laufe ich etwa 70% - es wird also nie langweilig! Und natürlich darf der wöchentliche Longrun nicht fehlen. Tempoeinheiten und Intervalle mache ich gerne auf dem Laufband.

Und wann steht das letzte Mal Laufen vor dem Marathon bzw. den Marathons an?

Tatsächlich nochmal direkt am Tag davor, aber nur ein ganz lockerer 30 Minuten ‚Shake Out‘, das hat für mich mental und aus sportlicher Sicht immer gut funktioniert. Zu ernst sollte man aber in der Woche vorher nicht mehr trainieren.

Gibt es irgendeine persönliche Beziehung zu Wiesbaden? Hat hier einfach die Distanz von München aus am besten gepasst, oder wieso ist gerade diese Stadt das Ziel Deines Laufs?

Mein Freund wohnt in Wiesbaden und im Grunde laufe ich auch für ihn, denn er leidet an Morbus Crohn. Diese Krankheit bekommt insgesamt kaum mediale Aufmerksamkeit und es herrscht wenig Bewusstsein dafür in der Gesellschaft. Deshalb hatte ich den Wunsch im Rahmen meiner Möglichkeiten etwas daran zu ändern.

Woher schöpfst Du die Motivation für so ein Vorhaben?

Grundsätzlich bin ich kein ‚herausragender‘ Marathonsportler – da gibt es bessere als mich. Aber ich laufe unheimlich gerne für den guten Zweck und habe mit meinen Läufen bisher einen höheren fünfstelligen Betrag für verschiedene Charity-Projekte sammeln können. Meine Motivation ist es also, Gutes zu bewirken, Menschen zu inspirieren und ihnen die große ‚Angst‘ vor der Marathon-Distanz zu nehmen.

Abgesehen vom Training, welche Vorkehrungen hast Du für die zehn Tage getroffen und läufst Du ganz alleine?

Der Fokus liegt unter anderem auf der Ernährung und Recovery – ausreichend Magnesium, Wärme und Pausen sind wichtig im Ultramarathon. Außerdem natürlich der Kopf und Spaß an der Sache. Für Unterhaltung auf der Strecke, Musik und Podcasts ist gesorgt! Und ich bin wirklich froh, dass meine Teamkollegin Phine von Marathon Travels sich gemeinsam mit mir durch die 422 Km kämpft.

Die richtige Marathon-Ernährung

Wie sieht die richtige Ernährung während eines Marathons aus – was gibt’s unterwegs zu Essen?

Viele Kohlenhydrate für die Energie, ausreichend Proteine für die Muskeln und ansonsten alles, was Spaß macht und leicht verdaulich ist. Wir haben den Kalorienverbrauch und die Makros genau ausgerechnet und einen kleinen Ernährungsplan erstellt. Ohne Energie geht einfach gar nichts!

Und was wird abends aufgetischt?

Da wird es eigentlich immer Nudeln geben. Ich bin absoluter Pasta-Fan – funktioniert und vertrage ich immer. Zudem werde ich mir hier und da mal eine Schokolade gönnen. Liefert Energie und hebt die Stimmung. Ballaststoffe hingegen gibt es für mich während dem Ultra so gut wie keine. Mein Körper freut sich über regelmäßige Essenszeiten und einfache Kohlenhydrate. Keine Experimente.

Welche Getränke gibt es bei Euch während und nach dem Marathon?

Ich trinke meist Wasser und Cola – letzteres wegen dem hohen Energiegehalt und dem Koffein. So konnte ich schon einige Ultras bewältigen! Generell kann ich nur empfehlen, einen Teil der Kalorien flüssig aufzunehmen, damit der Magen ein wenig entlastet wird.

CTM Ulra Carbon

Genug übers Essen und Trinken geredet – wie wichtig sind die Schuhe und was werden wir an Deinen Füßen sehen?

Laufschuhe sind natürlich das A und O. Hiermit steht und fällt der ganze Lauf – jeder Fuß ist aber anders und jeder Läufer muss für sich herausfinden, was für ihn funktioniert. Ich bin mit meinem CTM Ultra Carbon sehr happy – die Carbonsohle gibt nochmal ein wenig extra Schwung und der Schuh ist super stabil für lange Distanzen.

Wie sieht es in Sachen Laufbekleidung aus, was packst Du da alles ein?

Team Zwiebel! Gerade jetzt bei diesem instabilen Wetter und den wechselnden Temperaturen muss man sehr flexibel sein. Von den Shorts mit Sport-BH bis zur Regenhose habe ich alles im Van. Ich hasse es, zu warm angezogen zu sein. Daher steht für mich funktionale Sportwäsche absolut im Fokus.

Was denkst Du, wird Dich unterwegs vor die größte Herausforderung stellen?

Ich denke, dass es ab dem dritten Tag bereits sehr hart wird, morgens aus dem Bett zu kommen. Die Beine sind dann schon schwer und das Ziel noch sehr weit weg – ich bin gespannt!

Gut und womit motivierst Du dich unterwegs – worauf freust Du Dich am allermeisten, wenn Du an Tag 10 in Wiesbaden ankommst?

Kaltes Bier und ein Beyond Meat Burger – Ehrensache nach so einer Schinderei… Außerdem werden natürlich Freund und Familie am Ziel stehen, was ein persönliches Highlight wird.

CTM Ultra Carbon für Damen:

CTM Ultra Carbon für Herren:

Marathon-Tipps für Anfänger

Das alles klingt nach einer unglaublichen Herausforderung aber gleichzeitig auch total inspirierend und motivierend. Was würdest Du also jemandem empfehlen, der sich auf seinen allerersten Marathon vorbereitet?

Auf jeden Fall viel Zeit für das Training nehmen – hier muss man sich einfach langsam an längere Distanzen rantasten. Außerdem, ganz wichtig, das richtige Ziel finden. Mein erster Marathon damals war Paris 2015 und ich hätte mir nichts Schöneres vorstellen können als am Eiffelturm vorbeizudüsen! Der New York Marathon ist für viele auch ein absoluter Sehnsuchtsmarathon – als ersten Lauf würde ich ihn aber nicht empfehlen, dafür ist er einfach viel zu krass.

Und für alle spontanen: Kann man ohne Training einen Marathon laufen?

Ehrliche Antwort – Ja. Empfehle ich das? Nein. Natürlich kann ein Körper das theoretisch umsetzen, wenn man stur genug ist. Der Schaden an Muskeln und Gelenken ist allerdings nicht zu unterschätzen und Spaß macht das auch nicht. Besser sechs Monate ordentlich Zeit nehmen und strukturiert trainieren! So kann man neue Ziele erreichen, Spaß haben und die Gesundheit fördern.

Du sprichst Muskeln und Gelenke an – wie trainiert man denn richtig laufen?

Hier kommt es ganz auf die Ziele an – nicht jeder Hobbyläufer sollte gleich Unmengen an Geld ausgeben und das Ganze verkomplizieren. Einfach loslaufen und Spaß haben! Je nachdem wie ambitioniert die Ziele sind, kann man das entsprechend professioneller gestalten, Lauf-ABC und Tempoeinheiten einbauen.

Wie sieht denn die richtige Atmung während des Marathons aus?

Ich laufe Distanzen im unteren Pulsbereich, sodass ich mich locker unterhalten oder singen kann unterwegs. Die Atmung ist dementsprechend ruhig und geht tief in die Lungen. Seit einigen Wochen trainiere ich speziell mit einem neuen Atemtrainer, um alles aus der Lunge rauszuholen.

Macht es für Anfänger bereits Sinn mit einem Trainingsplan zu trainieren?

Ja absolut – gerade am Anfang braucht man einfach einen Rahmen und Struktur, um ein gutes Gefühl für den eigenen Körper zu bekommen. Idealerweise natürlich mit einem Trainier. Wer das Budget dafür nicht hat, ist auch mit diversen Onlineprogrammen gut bedient. Wichtig – immer auf den Körper hören, die Longruns und Pausentage nicht skippen und vor allem Spaß haben!

Liebe Marina, vielen Dank für die Einblicke und die ganzen Tipps für Marathon-Anfänger. Wir wünschen Dir viel Erfolg und vor allem ganz viel Spaß bei Deinen 10 Marathons in 10 Tagen. Wir sprechen uns bestimmt danach nochmal, da wollen wir dann ganz genau wissen wie es war und holen uns die nötigen Recovery Tipps.