Juni 2008/2
 
 
Tills Trans Germany-Tagebuch
Erleben Sie die Trans Germany live
 
Seit 1. Juni läuft die CRAFT bike Trans Germany. Till Gottbrath ist mit dabei und erzählt von den täglichen Strapazen der Trans Germany 2008. Viel Spaß mit Tills Tagebuch!
 
 
 

Im Folgenden könnt ihr Tills Tagebuch lesen oder als MP3 Podcast von www.bike-transgermany.com herunterladen. Download: Datei nach dem herunterladen entpacken (ZIP) und direkt im Player abspielen. Gelesen wird der Originaltext von einem Sprachausgabeprogramm, nicht ohne ungewollter Komik...
Viel Spaß!!!!!

Till Gottbrath, 48, aus Aschau im Chiemgau nimmt zusammen mit seinem Team-Partner Holger Hoffmann an der CRAFT Bike Trans Germany teil, einem Mountain Bike Etappenrennen quer durch Deutschland. Das Rennen findet 2008 zum zweiten Mal statt. Es beginnt am 1. Juni in Erbach im Odenwald und endet 661,98 Kilometer und 15.116 Höhenmeter später am 7. Juni in Seiffen (Erzgebirge). Till war früher Chefredakteur von „Outdoor“ und ist heute Teilhaber der Agentur Kern Gottbrath Kommunikation, die u.a. auch für den Titelsponsor des Events arbeitet, die schwedische Sportbekleidungsmarke CRAFT. Er ist ein Allround-Sportler und kein extremer Biker und wird, wenn er nicht zu erschöpft ist, in seinem Trans-Germany-Tagebuch täglich berichten – nicht ohne Ironie.

Samstag, 7.Juni 2008
 
7. Tag: Oberwiesenthal – Seiffen (Erzgebirge) – 78,8 km, 1590 Höhenmeter bergauf, 1880 Höhenmeter bergab
Einfach ein geiles Gefühl

Heute wird das Tagebuchschreiben schwer: Denn mein Ziel ist es, Euch irgendwie diese Euphorie zu vermitteln, die uns Biker überkommt, wenn wir nach sieben Tagen zum letzten Mal über die Ziellinie rollen!
 
 
Natürlich könnte man sagen: „Na und? Sieben Tage Radtour gemacht, ein bisschen schneller gefahren und noch ein paar Höhenmeter dazu. So what!?“ Nein, ganz so einfach ist die Sache nicht. Denn egal, ob man vorne oder hinten im Feld platziert ist, so gibt doch jeder sein Bestes. Jeder erträgt die brennenden Muskeln, die keuchenden Lunge, die Schmerzen auf den Sitzknochen. Jeder (oder vielleicht fast jeder) hat mal einen schlechten Tag oder ein Motivationsloch. Hier und da ein Sturz oder ein Platten oder noch etwas Schlimmeres. Nein, die Kilometer und die Höhenmeter fallen uns nicht in den Schoß. Sie sind hart erarbeitet. Und genau deshalb sorgen sie für diese Euphorie!
 

Holger und ich kamen just, als ein Sommergewitter begann, ins Ziel – gerade noch rechtzeitig. In dieser Situation verschwinden normalerweise alle Leute schnell in die Hotels oder ins Camp zum Duschen. Aber heute blieben sie. Verschwitzt, verdreckt, verpflastert, erschöpft und später dann klatschnass und völlig eingesaut – aber alle lachend. Einige Biker kommen zu Holger und bedanken sich, dass CRAFT dieses Event unterstützt: „Ich habe so was noch nie gemacht, aber es ist ja so super.“  Auch ich bin wir im Rausch (was – noch – nicht am Bier liegt). Da ist so ein riesiges, nur schwer greifbares Glücksgefühl ganz tief in mir drin!
 
 
Aber davor lagen heute noch knapp 80, teils harte Kilometer. Die erste Härte entstand durch den schlechten Schlaf gestern. Unser Hotel, der Birkenhof, hatte eine Terrasse an eine Gruppe von Motorradfahrer vermietet, die zwar im Hotel übernachteten, aber ihr eigenes Grillzeug und ihre eigene Band mitbrachten. Dagegen habe ich ja nichts einzuwenden, aber dass die bis mitten in die Nacht richtig laut Musik machten, fand ich nicht OK. Natürlich muss ein Hotelier für eine gute Auslastung sorgen, aber nicht auf Kosten der anderen Gäste. Sowas macht man einfach nicht!
 
Beim Streckenbriefing gestern Abend entstand bei mir der Eindruck, dass es eher eine technische Strecke sein müsste. Aber weit gefehlt: Die waren Wege waren meistens zweispurig, flach und mit leichter Bergab-Tendenz. Mit anderen Worten: Es wurde geballert, was die Beine hergaben. Ich glaube, dass sich einige Biker das Rennen insgesamt sehr gut eingeteilt hatten und es nochmals richtig krachen ließen (dazu gehörten auch wir). Wir hatten bis zur letzten Verpflegungsstelle – dort gab es sozusagen als Aperitif für heute Abend ein Glas Sekt für jeden; sehr nette Geste! – einen Schnitt von fast 22 km/h. Das ist auf dem Mountain Bike schon ganz ordentlich.
Überhaupt finde ich, sind Holger und ich sehr souverän gefahren: Kein Crash, keine Panne, kein Streit, jeden Tag ein wenig besser geworden, gute Pulsdaten und insgesamt viel, viel Spaß gehabt. Was will man mehr? Danke Holger für sieben tolle Tage mit viel Lachen und viel Kameradschaft!
 
Danke auch an all die anderen Biker, mit denen wir uns Tag für Tag „geschlagen“ haben: der Drücker, die Oberhofer Haie, die Bonner FCK-Fans, das Pfälzer Mixed-Team, die schweizerischen Uhrwerke, die Kaufbeurer Sporthändler, das Penzberger Mixed-Team, die Holländerin, deren Partner heute weg war und die in der Ebene mit einem Wahnsinnszug gefahren ist usw. Danke Euch allen! Das war Sport, wie ich ihn mir vorstelle: Jeder gibt sein Bestes, am immer extrem fair und hilfsbereit.
Danke weiterhin an die CRAFT & Friends für den Spaß mit Euch: Das war eine schöne und intensive Woche!
 
Danke an die Gemeinden, Tourismusverbände, Verpfleger, anfeuernde Kinder, Bürgermeister, Feuerwehr, THW, Polizei, die Race Doctors auf ihren Geländemotorrädern, die begeisterten Zuschauer am Wegesrand, an Uli Stanciu, den Streckenechf, an alle MItarbeiter von Plan B und Delius Klasing für die tolle Organisation, an Matthias und Martina im Bierstand, an Wolfi und Alfred am CRAFT-Stand – hoffentlich habe ich niemanden vergessen. Wenn man das so hautnah erlebt, ist es erstaunlich wie viel Hände und Köpfe es braucht, damit ein solcher Event am Ende so gut über die Bühne geht.
 
 
Danke auch an alle, die das Tagebuch gelesen haben und mir unterwegs immer wieder aufmunternde Mails geschickt haben. Ich konnte nicht alle beantworten, dazu war ich dann doch zu platt. Aber gefreut habe ich mich über jede einzelne. Und wem es gefallen hat, den versorge ich in ein paar Monaten mit einem neuen Tagebuch: Im September starten Nicole und ich beim Transalpine Run auf der neuen Strecke ab Ruhpolding: 8 Tage über die Alpen, über 300 km und viele, viele Höhenmeter. Da werde ich dann doch deutlich intensiver trainieren müssen…
 
 
Aber jetzt wird erst mal richtig gut gefeiert!
 
Ciao & Prost
 
Till

Freitag, 6.Juni 2008
 
6. Tag: Schöneck (Vogtland) – Oberwiesenthal (Erzgebirge) – 82,56 km, 2017 Höhenmeter bergauf, 1841 Höhenmeter bergab
Mein Körper kapiert es so langsam

Zuerst wieder die Daten aus meinem GPS: Zuerst wieder die Daten aus meinem GPS: Total Time: 04:33:02; Distance: 81.11 km; Elevation Gain/Loss: 2,004 m / -1,831 m; Calories: 3,515 C, Avg Speed: 17.8 kph; Max Speed: 66.7 kph, Avg. Heart Rate 137 bpm; Max Heart Rate 154 bpm.  http://connect.garmin.com/activity/159030 
 
 
Letztes Jahr war diese Etappe die Abschlussetappe und entsprechend befreit sind wir sie damals gefahren. NUR 82 km und NUR 2000 Höhenmeter.
 
Da uns unsere Platzierung egal ist – Holger verfolgt das ab und zu, ich habe mit dieser Tagebuchschreiberei so viel zu tun, dass ich mich sowieso immer sputen muss, um noch rechtzeitig zur Pasta-Party zu kommen, dass ich die Zeit kaum habe – starten wir auch wieder eher locker. Aber irgendwie geht es bei uns beiden recht gut. Bei Holger sowieso, bei mir überraschender Weise auch.
 
Heute hat es wieder „richtige“ Steigungen – will heißen, nicht so viele von diesen kleinen Dingern, die man so böse durchdrücken muss – und zwischendrin ist es eher flach. Anfangs legen wir einen satten Zahn hin. Bis etwa km 60, wo die Steigung auf dem Fichtelberg beginnt, dürfte unser Schnitt fast bei 20 km/h gelegen haben! So schnell war ich auf dem Bike noch nie unterwegs.
 
Daran hatten Ellen und Silke schuld, die beiden Mädels, die aufgrund des Gewinnspiels zu den CRAFT & Friends gestoßen waren. Irgendwann haben wir – mit 6 oder 7 weiteren Teams – von hinten auf sie aufgeschlossen. Ellen interpretierte das als Startsignal mal so richtig loszulegen. Sie führt auf einer eher flachen Passage, teils waldig, teils auf windigen Lichtungen ein Gruppetto von 16 bis 20 Bikern an – und zwar mit einem solchen Druck, dass hinten ein Team nach dem anderen wegplatzte. Aber das allerbeste dabei: Sie merkte gar nicht mal, dass sie die Lokomotive für die ganzen Männer hinter ihr war. Ich glaube außerdem, keiner von uns wäre in der Lage gewesen, mit gleichem Tempo die Führungsarbeit zu machen.
 
 
Mit ihr und Silke blieben Holger und ich bis zur Steigung hinauf zum Fichtelberg zusammen. Ellen kurbelte mit Holger vorneweg, ich mit Silke hinterher – fast die gesamten 650 Höhenmeter in schöner Eintracht. Wenn wir heute recht gut platziert waren, so sind die beiden Mädels schuld. Sie haben uns gezogen, nicht wir sie. Danke ihr Zwei!
 
Mir kommt es so vor, als mein Körper so langsam anfängt zu kapieren, was hier so passiert. Ich fühle mich eigentlich von Tag zu Tag besser (den Pöppes natürlich ausgenommen; der ist nicht eben in Bestform). Mir kommt es vor, als könnte ich immer besser regenerieren (oder zu mindesten relativ besser als die anderen). Außerdem ist es sicher eine meine Stärken, die ich auf vielen langen Touren und Expeditionen erlernt habe, auch auf Tage im Voraus zu überblicken, wie viel „Sprit noch im Tank“ ist. Aber vielleicht war es ja auch die Curry-Wurst mit Pommes, die ich gestern zur Abrundung meines Speiseplanes gegessen habe…
 
 
Die Abfahrt hinab nach Oberwiesenthal war wieder ein Knüller: Herrliches Wetter, blau-weißer Himmel, man kann das Ziel schon von ganz oben sehen und hören, und dann noch ein richtig schöne Trails hinab. Cool! Und es war echt nett gemeinsam mit Ellen und Silke über die Ziellinie zu rollen. Und dann wieder alkoholfreies Weißbier am CRAFT-Stand, herrlicher Sonnenschein, gute Laune, viele lachende Gesichter!
Abschließend will ich noch etwas Technisches loswerden: Ich hatte in den Wochen vor der CRAFT Bike Trans Germany immer wieder mal den Anflug einer Sehnenscheidentzündung von der Arbeit am Computer. Da das Biken ja auch ziemlich auf die Handgelenke geht, machte mir das ziemlich Sorgen. Also wollte ich noch diese Ergon Lenkergriffe montieren. Leider hätte ich sofort nur die dicken und schweren Normalmodelle bekommen. So habe ich erst unterwegs die Race Carbon-Modelle montiert, vor drei Tagen. Ich will ganz ehrlich sein: Ich dachte anfangs, dass da viel Marketing-Blabla dahinter steckt und die Dinger eigentlich nicht viel bringen. Aber nach drei Tagen Intensivtest bin ich ehrlich begeistert: Ich merke eine deutliche Entlastung der Handgelenke, sie greifen sich so gut, dass man auch bei Downhills im Renntempo jederzeit guten Grip hat und sie verdrehen sich nicht.
 
Ja ich gebe zu, ich habe sie von Kim bei Ergon als kostenlose Testmuster bekommen (danke Kim!). Aber meine Begeisterung ist ernst gemeint. Ich würde hier nichts „schönschreiben“, nur weil ich es kostenlos bekommen habe. Die Dinger sind klasse und sie bleiben auf jeden Fall dran an meinem Bike!
So, einmal treten wir dann noch in die Pedale. Ich freue mich schon auf die Ankunft, auf das letztmalige Überqueren der Ziellinie…
 
 

Donnerstag, 5. Juni 2008
 
5. Tag: Bad Steben (Frankenwald) – Schöneck – 99,4 km, 2167 Höhenmeter bergauf, 2017 Höhenmeter bergab
Immer diese bösen Drücker!
 
Zuerst die Facts: Total Time: 05:23:30; Distance: 97.82 km; Elevation Gain/Loss: 2,067 m / -1,920 m; Calories: 3,864 C, Avg. Speed 18,1 km/h; max Speed; 61.4 km/h; Avg. Heartrate 137 bpm; Max Heartrate 160 bpm. Und hier sind die GPS-Daten aus meinem Garmin Edge 705 abgelegt: http://connect.garmin.com/activity/155091 Achtung: Habe mein GPS erst ca. 1 km nach dem Start eingeschaltet. Die Daten sind nicht komplett.
 
Und mittlerweile ist es mir auch gelungen, die GPS-Daten von gestern hochzuladen. Hier findet Ihr sie: http://connect.garmin.com/activity/151805. Total Time: 06:49:01; Distance: 119.36 km; Elevation Gain/Loss: 2,390 m / -2,622 m; Calories: 4,724 C; Avg Speed 17,5 km/h; Max Speed 55,5 km/h; Avg Heart Rate 136 bpm, Max Heart Rate 153 bpm.
 
OK, und jetzt zur heutigen Etappe. Sie begann vierfach unangenehm:
 
Das Aufstehen. Jemand hatte über Nacht Blei in meine Oberschenkel gefüllt. Vor allem der Muskel oben außen, keine Ahnung wie der heißt, fühlt sich hart wie Kruppstahl an. Aber wenn ich ganz sanft reindrücke, ist da gar nix mit Kruppstahl.
 
Helm aufsetzen: Ich kann nur empfehlen, ab und zu auch mal das Helmpolster auszuwaschen. Heute Morgen hatte meines die Ekelschwelle überschritten. Ich wusste gar nicht, dass Helme so stinken können!

Aus der Flasche trinken: Die SCOTT-Jungs haben wieder mal mein Bike perfekt geputzt – aber ich hatte die Trinkflasche am Rahmen vergessen. Da hingen dann am Mundstück noch irgendwelche Reinigungs- oder Pflegemittelreste. Fast wäre es mir hochgekommen…

Aber nachdem ich diese ganzen Hürden in der Früh gemeistert hatte, konnten wir losfahren und es begann bald mit einem Highlight in Schwarzenbach: Der kleine Ort mit seinem Bikepark machte richtig was los. Jede Menge Zuschauer, Jubeln, Lärm! Viele Kinder hatten sogar Trans Germany T-Shirts an. Und sie bejubelten uns, als wir wären wir Tour de France-Stars. Diese kleinen Dinge machen riesig Freude und es ist schön für uns Radler, dass Sie stattfinden. Danke an alle Organisatoren, Gemeinden, Lehrer, Kindergärtner usw. – macht weiter so, wir können es gebrauchen.
 
 
Motivation konnte ich im Speziellen heute gut gebrauchen: Ich hatte, um es diplomatisch zu formulieren, nicht meinen besten Tag. Ich kannte ja das Streckenprofil vom letzten Jahr und wusste, dass es permanent rauf und runter geht. Nicht steil und nur selten technisch, sondern, ganz im Gegenteil, nur minimal aber dafür richtig oft. Die guten Leute, zu denen heute auch Holger gehörte, fahren dann mit einem dicken Gang in die Steigung rein und drücken ihn lange durch. Dazu fehlte mir heute einfach der Dampf. Dazu noch viel Wind. Nein, heute war nicht mein Tag und ich musste am Ende richtig böse beißen. Wegen der finalen Steigung und der langen Kopfsteinplasterzielgerade in Schöneck tat das entsprechend richtig weh. Ich versuche jetzt das Positive zu sehen: Der Kopf ist gut.
 
Ein weiteres Highlight war die Verpflegungsstation in Hof, betrieben von den Leuten vor Ort. Dort gab es Bier und „frrrängische Rrrindswurscht“. Beides lachte mich – mal ein anderer Geschmack – nur stellte ich beim Trinken etwas überrascht fest, dass es alkoholisches Bier war. Macht nix, schmeckte trotzdem – oder vielleicht deshalb – extrem lecker! Dasselbe galt für die Rindswurst. Nix gegen Sporternährung, aber es ist einfach angenehm, mal ab und zu mal einen anderen Geschmack im Mund zu haben. Auch die Bierrülpser habe ich richtig genossen.
 
 
Alles andere als lecker war ein schneller Downhill auf einem ausgewaschenen Feldweg mit tiefen und größtenteils mit Gras zugewachsenen Spurrillen. Holger ballerte da runter, dass mir Himmelangst wurde. Und mich hätte es beinahe auch gewaffelt. Zum Glück konnte ich mich wieder fangen. Anderen gelang das nicht so gut: Karsten Bresser, Ex-Profi und Top 3 Fahrer bei den Masters, hat sich wohl das Schlüsselbein gebrochen. Danielo von den CRAFT & Friends ist noch beim Röntgen und den „Wuiden Guido“ hat es im hohen Bogen in den Getreideacker katapultiert. Guido: „Ich habe mich super abgerollt. Außer dem Helm ist nichts kaputt.“ Der dafür aber richtig. Und auch sonst sah man im Ziel eine Menge Schürfwunden.
          
 
Noch was anderes: Ich bin mehrfach gefragt worden, was für ein Bike und welches Setup ich fahre: Ein SCOTT Genius 30. Für einen Rennen sitzt man eigentlich zu aufrecht, aber das mag ich, weil es meinen Rücken schont (dem es übrigens prima geht). Generell würde ich zu einem leichten Race-Fully à la SCOTT Spark o.ä. raten. Vielleicht nicht für die Spitzefahrer, aber sicher für uns Normalos. Lasst Euch nicht von dem Gedanken „ist ja bloß Mittelgebirge“ blenden. Es gibt viele, viele Steine, Wurzeln, Schläge und Holperstrecken, so dass ein Fully nicht nur mehr Komfort bietet, sondern meiner Ansicht nach auch Kraft spart. Außerdem fährt man sicherer. Bei den Reifen habe ich dieses Mal vorn und hinten Schwalbe Nobby Nic 2,25 aufgezogen und habe das noch keine Sekunde bereut. Viel Grip, keine Pannen und mit meinem Gewicht rollen sie zumindest bergab prima.
 

Mittwoch, 4. Juni 2008
 
4. Tag: Oberhof (Thüringer Wald) – Bad Steben (Frankenwald) – 120,2 km, 2446 Höhenmeter bergauf, 2658 Höhenmeter bergab
Schlamm- und Wurzelschlacht auf der Königsetappe
 
Zuerst wieder die Fakten laut GPS: Gibt es heute nicht – habe Probleme mit dem W-Lan im Hotel und bin froh, wenn diese Mail rausgeht!
 
Holger und ich müssen ja Vorbilder sein: Wir reden immer von Teamspirit, Fairness, Kameradschaft und so Zeug. Wenn also wer am Wegesrand steht und einen Platten oder sonstige Probleme hat, dann rufen wir immer besonders laut, freundlich und hilfsbereit: „Alles klar bei Euch?“ oder „Habt Ihr alles, was Ihr braucht?“ Innerlich hoffen wir aber immer sehr, dass die Antwort heißt: „Danke, alles klar!“ Wäre doch, um ehrlich zu sein, doof, anhalten zu müssen und zu helfen.
 
Aber heute hat es uns erwischt: Die ersten 15 oder so Platten – heute gab es sehr viele, wobei ich mir nicht erklären kann, warum durch Schlamm und Regen die Plattenhäufigkeit zunimmt – erlaubten uns noch das vorbeirauschen. Kein Problem. Aber dann stand da Nicki Lechl im Wald, die für Hai Bike fährt, ein Team, das mit CRAFT & Friends befreundet ist. Sie hatte eine Art „Schlaufe“ in der Kette, hervorgerufen wohl durch ein Stück Holz auf einem Monsterholpertrail –  und von ihrem Team Partner, der natürlich das Werkzeug hatte, war weit und breit keine Spur. Da mussten wir ja wohl helfen. Zuerst versuchten wir das Problem mit Intelligenz zu lösen. Das klappte nicht. Dann mit Gewalt. Das klappte auch nicht. Dann haben wir den Kettennieter ausgepackt, um es mit Werkzeug zu lösen. Das klappte dann – zumindest zur Hälfte. Denn leider, leider bekam ich zwar die Kette auf und die Schlaufe raus, nur passte mein Kettenverschlussglied nicht zu Nickis Kette! Zum Teufel.
 
 
Aber bald nahte die Rettung durch andere hilfsbereite Biker mit einem passenden Bolzen. So zehn Minuten später ging es dann weiter. Ein wenig schade für uns, denn wir waren bis dahin gefühlt schnell unterwegs. Zu mindesten haben wir Leute überholt, denen wir in den letzten Tagen noch nie begegnet waren!
 
 
Aber egal, wir kamen insgesamt recht gut durch, was bei 120 km und vielen schlammig-nassen Wurzelpassagen nicht selbstverständlich ist. Am schlimmsten erwischte es bei den CRAFT & Friends Sylvia. Sie holte sich eine Hüftprellung und ihr tut es überall weh. Auch einer der beiden Schweden hat sich das Knie ziemlich aufgeschlagen. Er ist zurzeit im Krankenhaus beim Nähen. Sein Kollege meinte, auf unsere Befürchtungen, es könnte zu tief sein und er müsse vielleicht aufgeben, nur knapp: „Nein, nie. Das motiviert ihn eher nur. Nach dem Sturz hat er gleich den Turbo gezündet, damit wir wieder aufholen.“
 
 
Aber jene Biker, die ohne größere Probleme ins Ziel kamen, hatten fast alle ein breites Grinsen im Gesicht. Aus diesem Grund bekommt Ihr als Bilder heute nur Gesichter serviert. Für die Cracks vorne im Feld ist es ein Rennen und es geht um Platzierungen. Für uns Normalos weiter hinten war es ein harter Tag: Die längste Etappe (120 km), jede Menge Höhenmeter, einige ziemlich technische Wurzelabschnitte im Frankenwald und ein paar ganz schön schlammig-steinig-wurzelige Abfahrten. Und wer das ordentlich schafft, der muss im Ziel einfach grinsen. Wir auch.
 
 

Dienstag, 3. Juni 2008
 
3. Tag: Bischofsheim (Rhön) – Oberhof (Thüringer Wald) – 96 km, 2674 Höhenmeter bergauf, 2326 Höhenmeter bergab
Holger entdeckt eine neue Dimension der Trainingslehre

Zuerst wieder die Fakten laut GPS: Total Time: 06:01:28 h; Distance: 93.74 km; Elevation Gain/Loss: 2,560 m / -2,212 m, Calories: 4,010 C. Ausführliche Daten findet Ihr hier: http://connect.garmin.com/activity/147607

Keine 100 km, aber diese vielen Höhenmeter. Sackl Zement – wie man in Bayern sagt. Also schöööööön langsam starten. Letztes Jahr war diese Etappe besonders heiß und ich kann mich erinnern, wie ich so manches mal geflucht habe – auf dem Betonplattenweg, auf dem ausgewaschenen Weg hinauf zum Dolmar und auf den Waldpassagen mit einem Boden, der auf die Reifen wie Klebstoff wirkt. Dieses Mal war es zum Glück nicht so heiß, im Gegenteil es sollte aber regnen, was es aber dann nicht getan hat – und ich war mental auf den Kurs vorbereitet. Nur: geholfen hat es mir eigentlich nix.…
 
Egal, geschafft haben wir es trotzdem und ich würde sagen, gar nicht mal so schlecht. Holger hat gegenüber dem letzten Jahr viel gelernt: es gab keinen Einbrauch am dritten Tag. Wir konnten unser Tempo gut durchfahren. Außerdem hat er mir gesteckt, dass er zwei Kilo leichter ist, als letztes Jahr (ich bin eher zwei schwerer, aber wir haben keine Waage zu Hause).
 
Nach dem Start haben wir uns bei der ersten langen Steigung mit einem englischen und einem irischen Team unterhalten. Sie waren total begeistert von der Gastfreundschaft in den Etappenorten, von den Anfeuerungen entlang der Strecke, von der Schönheit der Landschaft und der Perfektion der Organisation. Das kann ich nur bestätigen. Es ist einfach nett, wenn die Kinder ankommen und Autogramme haben wollen (ja, sogar von uns) und wenn die Leute klatschen und jubeln. Was die landschaftliche Schönheit angeht, dürfte die heutige Etappe zu den besten gehören. Wir sind ein Stück auf der Rhönhöhenstraße geradelt mit wunderbaren Blicken rüber in den Thüringer Wald.
 
 
Besonders gut gefallen hat mir ein Downhill von einer der vulkanischen Kuppen der Rhön (ich glaube es war der Gebraberg, oder so ähnlich). Da geht es über einen Single Trail im Gras runter. Echt spitze und meine Nobby Nic Reifen sind einfach super! Kurz vor diesem Downhill sind Holger und ich auf Ellen und Silke aufgefahren. Die Beiden lassen es bergab ja mächtig krachen. Junge, Junge! Sie erzählten auch im Ziel bei leckerem Zielkuchen, dass sie bergab viel mehr Leute überholen als bergauf. Da geht es den Zweien wir Holger und mir. Scheint irgendwie im Team zu liegen.
 
 
Nochmals zurück zu Organisation: Sie ist wirklich großartig. Ich habe daher mal ein Bild von zwei Leuten gemacht, die richtig stolz auf sich sein dürfen: Monika Weber vom Delius Klasing Verlag und Chris Stephan von Plan-B Event. Bei Chris laufen alle Fäden zusammen und er sorgt, allen Widerständen zum Trotz, für eine tolle Veranstaltung. Nur zur Info: Der Auflagenkatalog von den Behörden, der für das Rennen erfüllt werden muss, ist rund 300 Seiten stark. D-R-E-I-H-U-N-D-E-R-T (damit nicht jemand meint, ich hätte mich vertippt)!
 
Wen ich gestern Abend bei der Pastaparty in Bischofsheim, die mit dem 140 (?)-jährigen Jubiläum der freiwilligen Feuerwehr zusammen fiel und entsprechend exzellent besucht war, auch wirklich bewundert habe, ist Michael Greis. Das ist angenehm normaler Mensch (was nicht minder für Andi Birnbacher und Toni Lang gilt). Sie gehören zu den CRAFT & Friends und sie fügen sich alle so nahtlos in unseren bunten Haufen ein, dass man nicht mehr auf die Idee käme, dass sie echte Promis sind. Auch sind sie lockere Vögel und haben sich als Reiseproviant für die Fahrt aus Bayern zum Startort Erbach mit ordentlich Leberkässemmeln eingedeckt. Was ich aber bei Michi bewundert habe, ist seine Geduld und Freundlichkeit mit Kindern die Autogramme wünschen, Frauen, die ihn in die Küche der Freiwilligen Feuerwehr zerren, um ein gemeinsames Foto zu machen und überhaupt, oder älteren Herren, die einfach nur mal seine Hand schütteln möchten. Was hat der Mann für eine Geduld und wie freundlich ist er dabei! OK, man könnte argumentieren, dass das Teil seines Jobs ist und er so sein muss. Aber es gibt eben einen großen Unterschied zwischen dem angeknipsten Lächeln einer Stewardess und dem Lächeln, das vom Herzen kommt. Bei Michi kommt es von dort.
 
 

Montag, 2. Juni 2008
 
2. Tag: Frammersbach (Spessart) – Bischofsheim (Rhön) – 82,9 km, 2027 Höhenmeter bergauf, 1798 Höhenmeter bergab
Nur ein Kaffeekränzchen!
 
 
Zuerst die Fakten, für alle, die nicht die ausführlichen Daten von meinem GPS bei Garmin Connect (<http://connect.garmin.com/activity/143269> ) anschauen wollen: Total Time: 05:01:38; Distance: 82.97 km, Elevation Gain/Loss: 1,976 m / -1,750 m, Calories: 3,902 C.
 
Wenn man sich alle Etappen der Trans-Germany anschaut, dann war das heute ein Tag zum relaxen: nicht mal 100 km und nur 2000 Höhenmeter. Ein Kaffeekränzchen sozusagen. Aber wenn ich zu Hause irgendwen fragen würde, ob er eine Bike-Tour mit diesen Daten machen will, würden mich alle meine Freunde für verrückt erklären und dankend abwinken. Und um ehrlich zu sein: Ich selbst würde das genauso handhaben!
 
Mit ähnlichen Gedanken sind wir letztes Jahr in die Etappe gestartet. Und auch letztes Jahr war es ein ganz gemeines Kaffeekränzchen. Man gibt schon am Anfang etwas mehr Gas. Ist ja nicht so weit… Und je weiter man kommt, desto gemeiner wird es. Immer wieder steilt es auf, nur um damit wieder flachere Stücke dazu animieren, einen dicken Gang zu drücken. Dann drückt man, und die Beine werden immer dicker. Und wieder eine Steigung. Die Beine werden noch dicker. Dazu noch die Hitze, Gegenwind, wieder ein zarte Steigung – die Beine platzen bald. Uuaaaaa!
 
 
Holger ist saumäßig gut drauf. Was seine Verdauung angeht, so schein sein Geheimrezept (siehe das Tagebuch von gestern), nicht perfekt zu funktionieren. Details will ich dem geneigten Leser ersparen. Aber er fährt bis jetzt stark wie ein Bär!

Unsere Stärke liegt vor allem auf den Downhills und den Single Trails. Bergauf und in der Ebene machen uns die anderen nass. Es gibt ein paar Teams, mit denen „duellieren“ wir uns permanent und überholen uns gegenseitig mit schöner Regelmäßigkeit. Aber da hinten im Feld geht das ohne Probleme. Niemand fährt Kampflinie, ein kurzes „links“ oder „rechts“ gerufen, schon macht der Vordermann. Sehr angenehm und kameradschaftlich!
 
Das Highlight aus unserer Sicht war ergo der lange Downhill vom Kreuzberg runter nach Bischofsheim. Auf dem Kreuzberg hatte Holger letztes Jahr seinen Abgang über den Lenker fabriziert und dabei den Rahmen gebrochen und seine Schulter fast. Wir waren also gewarnt. Es ist ja auch so, dass man den Anstieg endlich hinter sich hat und meint „jetzt rolle ich da locker runter ins Ziel“. Aber soooo locker ist es dann keineswegs. Immerhin war heute der Trail trocken und man konnte viel kontrollierter fahren, es ist aber immer noch ein steiler Single Trail mit vielen schlüpfrigen Steinen, einigen Schlammpassagen, Wurzeln, Bodenwellen und Geröll. Wir fuhren also extra vorsichtig. Bloß kein Crash wegen mangelnder Konzentration.
 
Vor Bischofsheim erwarteten uns dann noch 2 km Radweg, wo Holger noch mal so richtig drückte. Trotzdem waren wir heute nur 41. bei den Mastern – aber was soll’s? Spaß haben wir gehabt! Auf dem schönen Dorfplatz erwartete uns dann die Zielverpflegung und das alkoholfreie Weißbier. Herrlich!
 
Und sonst?
 
1. Meinem Rücken geht es immer besser. Mountain Bike-Rennen haben eindeutig eine therapeutische Wirkung.
 
2. Andi Birnbacher hatte gestern einen Crash und später brach ihm noch das Schaltwerk ab. (Waltraud: Holger und ich waren gestern also nicht brutal gut und nah an den Biathleten dran, sondern Andi hat mit Hilfe vom „Wuiden Guido“ sein Bike ins Ziel geschoben und ist im Wechsel mit Guido gejoggt. Ohne dieses Pech, wären wir weit, weit hinter den Biathleten gewesen).
 
3. Andi Birnbacher ist ausgestiegen. Das hat nichts mit dem Crash zu tun, sondern an einem Infekt, den er letzte Woche hatte und als Folge dessen ein deutlich höherer Puls, als er ihn normalerweise haben müsste. Da die Biathleten alle Grundlage trainieren, achten sie sehr darauf, dass sie sich ja nix einfanagen und sich möglicherweise das Sommertraining durch einen verschleppten Infekt runieren. Rennpferde eben.
 
4. Mario, Guidos eigentlicher Partner, hat einen ganz schlechten Tag (mit Übergeben, Crash und anderen Unannehmlichkeiten).
 
5. Martin Kraler, der zusammenn mit Frank Dietsch das Podium in der Gesamtwertung im Visier hat – sicher das stärkste Team der CRAFT & Friends – hatte auch einen Crash, aber es war wohl nicht so übel.
 
6. Scott und Rocky Mountain putzen gleich gut. Häää? Also: Es gibt einigen gute Bike-Hersteller, die die gesamte Veranstaltung mit einem technischen Service begleiten. Wer das Glück ein Bike dieser Marken zu fahren (Holger Rocky Mountain und ich Scott), kann sein Bike einfach am Stand abgeben und dann wird es sauber gemacht, gecheckt und im Bedarfsfall bauen sie sogar Ersatzteile ein. Das machen zumindest Rocky Mountain und Scott beide mit schon fast unglaublicher Akribie. Nie im Leben wäre ich in der Lage mein Bike sauber zu machen. Es sieht danach aus wie neu. Also haben wir einen informellen Putzwettbewerb ausgeschrieben: Unentschieden. Holger konnte an meinem Bike feststellen, dass an der Startnummer etwas „geschludert“ wurde, ich entdeckte hingegen ein paar mikroskopische Schmutzspuren an seiner Schwinge. Aber Spaß beiseite: Danke an alle Firmen, die uns Biker auf dieser Art und Weise unterstützen. Danke besonders an Luis, Harry & Co von Scott: Ihr seid spitze!
 
7. Das schlimmste Erlebnis des Tages: Mein High 5-Gau! Durch die Hitze war der Energieglibber dünnflüssig geworden und hat sich beim Aufreißen der Packung gleichmäßig über Gesicht, Brille, Unterarm, Handschuh und Finger verteilt. Ich versuchte mir das schön zu denken, dass ich jetzt den perfekten Grip am Lenkergriff habe. Aber es war einfach nur eklig!

OK, so viel für heute. Sorry für die Schreibfehler. Ich muss jetzt dringend duschen und bin jetzt mal weg.

Sonntag, 01. Juni 2008
 
1. Tag: Erbach im Odenwald – Frammersbach (Spessart); 102 km, 2195 Höhenmeter bergauf, 2188 Höhenmeter bergab
Der Bürostuhl hat versagt – aber der Rücken hält
 
 
Zuerst mal die Fakten: Ich bin mit einem Garmin Edge 705 gefahren (ein GPS-Fahrradcomputer) und der hat brav die ganze Strecke aufgezeichnet. Hier könnt Ihr die Route auf der Karte ansehen, sowie auch meine Puls-, Geschwindigkeits- und Sonstwas-Grafiken: http://connect.garmin.com/activity/140124

Die wichtigsten Daten: Total Time: 06:15:48, Distance: 101.56 km, Elevation Gain/Loss: 2,156 m / -2,133 m, Calories: 4,909 C. Da aber die ersten 29,8 km neutralisiert waren (die Zeit lief noch nicht), hier unsere eigentlichen Renndaten: 04:15:00, 71.76 km; Average Speed 16.9 km/h, Average Heart Rate 154 bpm
 
Und jetzt zum eigentlichen Tagebuch: Angesichts der Tatsache, dass der Start erst um 11 Uhr stattfand, habe ich einfach ein wenig „vorausgeschrieben“, will heißen, Ihr lest hier zunächst etwas über die CRAFT & Friends.

Dieses Team ist kein Werksteam, in das man möglichst viele gute Biker einkauft, in der Absicht, dass möglichst viele von Ihnen am Ende der Woche auf dem Podium stehen. Es sind Leute, die tatsächlich „Freunde“ von CRAFT sind: Geschäftspartner, Bekannte, Promis, Gewinner von Startplätzen, die über Gewinnspiele vergeben wurden, undsoweiter. Wichtig ist, dass der Spaß am Sport, die Begeisterung und die Fairness immer über dem Ehrgeiz stehen. Die Einstellung zählt auch.
Da sind zunächst Michaela Salzgeber und Sylvia Berghammer. Michaela arbeitet im Einkauf bei der Intersport, Sylvia im Customer Service bei CRAFT.
 
Das zweite Damenteam sind Silke Prokop und Ellen Blome. Sie haben mit ihrer kreativen Bewerbung bei einem Gewinnspiel überzeugen können. Silke hat aber leider eine Erkältung und gestern Abend konnte sie nur krächzen. Sie wusste nicht, ob sie starten würde. Drücken wir mal die Daumen (sie startete, sie kam durch und zwar gut!).
Ebenfalls durch ein Gewinnspiel kamen Michael Lella und Slim Gahm-Drid ins Team. Michael ist Imker, bei Slim – muss mal rausfinden, warum er so komisch heißt – weiß ich es nicht, und sie kommen vom Bodensee.

Die dritten Gewinner sind die beiden Schweden, die über ein schwedisches Bike-Magazin zu uns stießen: Henrik Andersson und Mikael Henrikson aus Sundsvall in Mittelschweden.
 
Mario Zimmermann von Karstadt in Berlin gehörte schon letztes Jahr zu den CRAFT & Friends und ist superzähes Ausdauertier. Damit er nicht so unterfordert ist, hat Wolfgang Lagler, der Event-Mann bei CRAFT, ihm einen starken Partner gesucht: der „Wuide Guido“, wie Sylvia ihn nennt (auf hochdeutsch „wilder Guido“). Guido Kunze betreibt einen Laufladen und ist ein Ultraausdauersportler: Backwater, Ultratrail du Montblanc, Race Across America. Und er fährt die Trans Germany als Training für die Tour de France, wobei er plant, die Tour de France-Strecke non-stop zu fahren (nein, ich habe mich nicht verschrieben!). Guido rechnet mit zwei Stunden Schlaf pro Tag… Sein Handicap heute: er ist noch nie Mountain gefahren…
 
Weiter sind noch zwei Schweizer, Steve Gisler und Marco Arnold. Sie sind so verschwiegen schweizerisch, dass ich überhaupt nichts von Ihnen weiß. Nee, wir haben einfach noch keine Zeit zum Ratschen gefunden. Dann sind da unsere Promis: Die Biathleten Andreas Birnbacher und Michael Greis, sowie Toni Lang und Danielo Müller (Skitechniker), sowie Katrin Apel und Manuela Henkel, die erst später dazu kommt. Über sie alle schreibe ich später noch was.
 
Warum die Cracks allerdings derart losgeballert sind, weiß ich nicht, schließlich waren dir ersten 29,8 km neutralisiert, will heißen, die Zeitnahme begann erst ab dort. Wir rollten stattdessen beschaulich ganz hinten herum, mit niedrigem Puls und niedriger Intensität. Zeit zum Ratschen.
 
Was mich dabei richtig freute, waren die vielen Leute, die mich wegen dieses Tagebuchs ansprachen – und allesamt sehr positiv (wobei mir durchaus bewusst ist, dass all jene, denen es nicht gefällt, schlicht und einfach die Klappe halten und sich ihren Teil denken). Aber es freut einen, wenn da „wildfremde“ Leite ankommen und fragen „Was macht der Rücken?“ oder „Bist du nicht der Till. Das Tagebuch ist echt stark“ oder „der Bike-Bürostuhl ist ja cool!“
 
 
Genau der Rücken: Er hielt recht gut. Die Schmerzen wurden jedenfalls nicht schlimmer, was ja auch bereits erfreulich ist. Weniger gut hielt dagegen mein Gesäß. Kein Angst, es ist nichts Schlimmeres geschehen, aber der Pöppes hat nach 60 km wieder angefangen zu schmerzen. Mein Sattelbürostuhl, auf dessen geniale Erfindung ich so stolz war, hat gnadenlos versagt! Die Beine waren OK, nur die letzten 10 km wurden sie ziemlich leer. Noch dazu brannte die Sonne brutal vom Himmel und der Forst hatte kurz zuvor den Forstweg frisch aufgeschottert. Es war, als würden wir durch Honig biken, durch Pattex oder Teer.
 
Holger war prima drauf, und wir haben ein gutes Tempo gewählt. Über den ganzen Tag ein Durchschnittspuls von 149, das war so das, was ich mir vorgestellt hatte. Und falls sich jemand über den Ausreißer nach oben in der Pulskurve auf der Garmin Connect-Website wundert: Das war keine Attacke am Berg, um irgendwelche Gegner mental zu erschüttern. Es war eine supersteile Rampe auf dem holprigen Eselsweg, wo ein paar andere Biker standen und uns anfeuerte, damit wir die steile Stelle durchfuhren. Ein Riesenradau, Klatschen, Schreien, Tröten – da mussten wir es einfach versuchen. Schieben wäre zwar sinnvoller für Puls und Muskeln gewesen, aber die Gaudi für die Zuschauer wäre nicht mal halb so groß gewesen. Und darum geht es ja schließlich! Überhaupt ist es einfach toll, wie viele Leute in den Dörfern an der Strecke stehen und uns anfeuern. Das macht richtig Laune!
 
In diesem Sinne stürze ich mich jetzt in das Fest auf dem Frammersbacher Dorfplatz und werde ich Holger Vorbild folgen. Er hat nämlich beschlossen, dass die „Magenunpässlichkeiten“, unter denen er 2007 zu leiden hatte, Folge einer drastischen Ernährungsumstellung waren: Der Verzicht auf Bier MIT Alkohol und die erhöhte Einnahme von Sportlernahrung. „Das mach ich nimmer, das habe ich gelernt,“ hat er manifestiert. Ich habe mich schon letztes Jahr keinen gefahrvollen Umstellungen unterworfen. Prost!
 

Freitag, 30. Mai 2008
 
In den Startlöchern!
Am Sonntag startet die zweite CRAFT Bike Trans Germany
 
 
Ich gebe es zu: Eigentlich wollte ich 2008 nicht an den Start gehen. Aber dass bloß keiner denkt, dass liege am Event. Im Gegenteil, das ist einsame Spitze! Aber erstens habe ich nicht unbegrenzt Urlaub, zweitens den vorhandenen Urlaub schon verplant und drittens bin ich sportlich an vielen Fronten aktiv und starte 2008 z.B. noch beim TransAlpine Run, der eine neue Strecke hat, die sozusagen bei uns zu Hause startet.
 
Aber dann hat Holger, mein Team-Partner von 2007 und Geschäftsführer von CRAFT, mich so nett und herzlich drum gebeten, dass ich gar nicht anders konnte. Außerdem waren wir 2007 einfach ein sensationell gutes Team. Wenn man acht Tage lang 24 Stunden aufeinander hängt, da kann es schon mal rumpeln. Aber bei uns gab es keine einzige Sekunde eine Meinungsverschiedenheit. Wir fuhren als gute Freunde los und wir kamen als sehr gute Freunde an. Also konnte ich ihm für dieses Jahr eigentlich gar nicht absagen.
 
Was mich zurzeit sehr besorgt, ist mein Rücken. Vorletzten Freitag habe ich ihn mir beim Rasenmähen böse „verrissen“. Mein Rücken ist sozusagen meine Achillesferse. 1991 wollte ich mit dem Fahrrad überland nach China radeln. Die Tour endete leider nach 6000 Kilometern mit 2,5 Bandscheibenvorfällen. Seither muss ich vorsichtig sein und sollte eigentlich Extremsportarten wie Rasenmähen meiden.
 
Die letzte Woche verlief durchwachsen. Ich gehe also an den Start, aber ich werde keine Dummheiten machen und sofort aussteigen, wenn es nötig ist. Holger hat so akzeptiert und kurzerhand beschlossen, dass Andre Bachmann, der Verkaufsleiter von CRAFT in diesem Fall einspringen muss. Holger: „Der ist doch sowieso dabei, da kann er auch gleich mitfahren.“ So ist das wohl in einer sportlichen Firma.
 
Ich würde es sehr bedauern, wenn es soweit käme, zumal den Bikern mit den polizeigrünen „CRAFT & Friends“-Trikots eine ganz besondere Ehre zu Teil wird: Die Biathlon-Stars Michael Greis und Andi Birnbacher fahren bei uns mit. Wann hat kann man schon mal mit einem mehrfachen Weltmeister, Olympiasieger und Worldcupgesamtsieger radeln? Vor allem haben die CRAFTies erzählt, dass die Burschen angenehm normal sind und keinerlei Starallüren haben.
Stellt sich die Frage, was Holgers und meine Ziele sind: Kurzzeitig hatten wir mal erwogen zu schummeln und uns ein Jahr älter zu machen. Denn zusammen zählen wir 99 Lenze, und ab 100 würden wir in der Opaklasse (oder wie die heißt) starten. Aber das haben wir nur ganz kurz gedacht und noch schneller wieder verworfen, denn es würde massiv unseren Idealen widersprechen.
 
Holger meint, er sei ganz gut drauf, obwohl ihn beim Trainingslager sein 16jähirger Sohn böse abgehängt hat. Derlei Erlebnisse konnte ich problemlos vermeiden. Einfach, in dem ich sehr wenig trainiert habe. Das Wetter so gut, dass ich zu oft zum Gleitschirmfliegen gegangen bin (und da, zumindest für meine Verhältnisse, echte Heldentaten vollbracht habe). Ergo würde ich meinen Trainingszustand als „mutig bis grob fahrlässig“ bezeichnen. Und ganz ehrlich: Ich gehöre nicht zu den Leuten, die vor dem Startschuss rumjammern, wie schlecht sie drauf sind und nach dem Startschuss losdüsen, als hätten sie Raketen im Hintern.
 
Immerhin habe ich mit etwas handwerklichem Geschick auf einen Bürostuhl einen Fahrradsattel montiert (siehe Bild). Denn letztes Jahr war mein größter Engpass das Gesäß.
Da aber der Ausdauertrainingseffekt eines Fahrradsattelbürostahls leider eher gering ausfällt,  erlaubt mein Trainingszustand überhaupt kein anderes Ziel als „Durchkommen“. Lichtblick: letztes Wochenende konnte ich auf meiner Lieblingstour (Rund um den Brünnstein; hier clicken http://connect.garmin.com/activity/114731, wenn Ihr mehr sehen wollt) die steilste Stelle durchfahren. Sie misst satte 32 % und jagte meinen Puls auf nicht minder satte 189 Schläge! Aber geschafft ist geschafft, und das hat mir dann doch Mut gemacht.
 
Ansonsten ist schon alles gestiefelt und gespornt. Auf mein SCOTT Genius habe ich noch neue Reifen aufgezogen. Dieses Mal habe ich für vorne und hinten den Schwalbe Nobby Nic gewählt, denn das letzte Mal war es wegen der nächtlichen Gewitter doch ganz schön oft ganz schön schlammig. Holger fährt dieses Mal übrigens auch von Anfang an ein Fully. „Für einen Tag mag ein Hardtail schneller sein,“ hat er gesagt, „auf die gesamte Strecke spart das Fully aber Energie.“ Das hatte ich letztes Jahr schon gesagt. Im Übrigen hat Holger noch ein Apotheke „überfallen“ und mir eine einzigartige Auswahl an Gesäßcremes versprochen. Ob diese auch einem maladen Rücken helfen würden?
Also, drückt uns die Daumen. Am Sonntag Abend erfahrt Ihr mehr.


 
performance • athletic • authentic • swedish – CRAFT ist DER Pionier bei Funktionswäsche für schweißtreibende Sportarten. 1977 entwickelte CRAFT die erste Wäsche, die als zweiflächige Maschenware nach dem Prinzip des Kapillareffekts funktioniert – ein System, das mittlerweile fast alle Markenhersteller verwenden. Heute entwickelt und produziert CRAFT Funktionsbekleidung aus hochwertigen Materialien für alle drei Bekleidungsschichten im Lagensystem. CRAFT agiert weltweit und konzentriert sich auf Ausdauersportarten wie Langlauf, Biken, Running, Triathlon, Nordic Walking, Bergsport und Outdoor.